Der Umgang mit Fremdenfeindlichkeit

Sie beleidigen Merkel als „dumme Fotze„, wettern gegen Die Linke, verüben Brandanschläge gegen Asylunterkünfte und verbreiten damit Angst und ein Deutschland-Bild, das viele nicht gutheißen. Die Rede ist natürlich von Asylkritikern und besorgten Bürgern, wie sie sich selbst nennen.

Mir kommen in diesem Kontext immer wieder zwei Fragen in den Sinn:

  1. Woher kommt der Hass?
  2. Wie geht man mit diesen fremdenfeindlichen Menschen um?

Beide Fragen sind sicherlich nicht leicht zu beantworten, aber es könnte sich lohnen, darüber nachzudenken. Die SpiegelOnline-Kolumnistin Sibylle Berg hat vor ein paar Tagen genau dies getan. Sie führt die Handlungen auf eine Reproduktion von in der Kindheit erfahrener Gewalt zurück. Das ist meiner Meinung nach zu simpel. Denn wer Gewalt in der Kindheit erfahren hat, weiß, wie destruktiv selbige ist. Nach etwas Selbstreflexion würde eine solche Person also gegenteilig handeln und nicht das fehlerhafte Verhalten wiederholen.

Fefe hat die interessante Frage gestellt, ob es „eigentlich schöne Statistiken drüber [gibt], ob Nazis unter den Hartz IV-Empfängern überrepräsentiert sind“. Damit trifft er eher auf den Punkt als Frau Berg. Harzt-IV-Empfänger sind in der deutschen Bevölkerung einem Hass und einer Verachtung ausgesetzt, die erst durch die jetzt aufkommende Xenophobie überschattet wurden. Es ist aber entscheidend für den Selbstwert von Menschen, sich zu vergleichen und auf vermeintlich schwächere Gruppen herabzuschauen. Das ist der Grund für die Ablehnung von Harzt-IV-Empfängern, doch diese „benötigen“ ebenfalls eine Gruppe, auf die sie hinabschauen können. Und hier bieten sich die Flüchtlinge an. Natürlich könnte sich dies auch auf Obdachlose projizieren, doch diese sind nicht so medienpräsent.

Ich möchte indes keineswegs suggerieren, dass alle Fremdenfeindlichen dumm oder arm sind; ich bin viel mehr der Meinung, dass es verschiedene Ursachen gibt und das oben genannte ist die Ursache bei einigen Personen. Mir ist ebenfalls bewusst, dass es auch intelligente Leute mit rechter Gesinnung gibt.

Ein Beispiel dafür ist Nicolaus Fest. Hier fällt es mir jedoch deutlich schwerer, eine plausibel klingende Erklärung für seinen Fremdenhass zu finden. Ich möchte es dennoch versuchen: Als bekannter Journalist könnte er die Meinung vertreten, viel für „sein“ Land geleistet zu haben. Dies kann in Patriotismus führen und ab da ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zum Nationalismus.

Die zweite Frage ist ebenso schwierig zu beantworten wie die erste. Die oben erwähnte Sibylle Berg fordert „therapeutische Hilfe und viel Anteilnahme“. Dem kann ich mich nur anschließen. Den Weg der Bundesregierung, die Demonstranten als Pack zu bezeichnen und keinerlei Toleranz zu zeigen, empfinde ich als kontraproduktiv und nicht sachlich. Die fehlende Toleranz der Rechten wird nur mit noch mehr Intoleranz erwidert. Das bestätigt und bestärk die Rassisten jedoch nur, umso lauter zu sein und noch mehr zu hetzen, bis die Bundesregierung ihr Anliegen endlich versteht. Hass mit Hass zu bekämpfen hat noch nie funktioniert, wird nie funktionieren und funktioniert auch in diesem Fall nicht. Hass sollte mit Liebe begegnet werden und Ignoranz mit Toleranz.

Mein Wunsch ist es nicht, jeden rechten Demonstranten in eine geschlossene Abteilung zu stecken. Aber man sollte zumindest mit ihnen reden. Versuchen, sie zu verstehen. Nicht alle in einen Topf stecken und sagen, dass das halt „das rechte Pack“ sei und dass man sie alle bestrafen müsse. Natürlich müssen tätliche Übergriffe mit aller Härte bestraft werden. Aber ebenso wichtig ist es auch, den einzelnen Menschen zu sehen und ihm zu helfen.

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